Schaufenster Algentechnologie in Mengebostel offiziell eröffnet

Fachbesucher und interessierte Gäste informieren sich auf dem Gelände der Agrar Energie Obernhausen über das Modellprojekt zur Zucht von Mikroalgen in einem geschlossenen CO2-Kreislauf

Das internationale Projektteam mit dem Mikroalgen-Reaktor bei der Agrar-Energie Obernhausen GmbH

Innovative Projekte mit Entwicklungspotenzial in der Region befördern – das ist eine der Anliegen des Industrie- und Wirtschaftsvereins Deltaland für den Heidekreis und Umgebung e.V. Nach intensiver Vorbereitung konnte ein Konsortium aus regionalen und überregionalen Partnern, welches von der Geschäftsstelle des Industrie- und Wirtschaftsvereins begleitet wird, nun den Startschuss für das erste Mikroalgenzuchtprojekt dieser Art geben, nämlich Mikroalgenzucht in Kombination mit einem Biogas-BHKW. Die Initiatoren erhoffen sich daraus wichtige praktische Erkenntnisse für die Skalierbarkeit dieser Technologie und die Realisierung von Möglichkeiten, die Mikroalgenzucht als interessantes weiteres Standbein in der „Biogasszene“ zu verankern.

Mikroalgen spielen in der Fachwelt schon länger eine wahrnehmbare Rolle – sei es als Rohstofflieferant für die Kosmetik- oder Pharmaindustrie, als Tierfutterzusatz oder als innovative Kraftstoffquelle. Zur Kultivierung von Mikroalgen werden Photobioreaktoren eigesetzt, die je nach Ausführung als Schlüsseltechnologie für einen innovativen Biomassekreislauf gelten.

Dazu Prof. Franz Xaver Wildenauer vom Fachbereich Biosystemtechnik der TH Wildau (Brandenburg): „Die jetzt auf dem Betriebsgelände der Agrar-Energie Obernhausen (AEO) in Mengebostel zum Einsatz kommende Technik wird seit einigen Jahren auf dem Campus der Technischen Hochschule in Wildau (Brandenburg) erforscht. Mit der Realisierung in Mengebostel wird der erste Praxis-Feldversuch dieser Art jedoch in Niedersachsen in der Wirtschaftsregion Deltaland durchgeführt“. Initiiert und moderiert wird das Projekt durch die Geschäftsstelle des Industrie- und Wirtschaftsvereins unter Beteiligung regionaler und internationaler Unternehmen. Der Kontakt zur hiesigen Region geht zurück auf eine Deltaland-Präsentation auf einer Biotechnologie-Ausstellung in Berlin.

Ziel des Demonstrationsprojektes ist es, den Anlagenbetrieb und den damit verbundenen Algenzucht-Kreislauf unter realen Bedingungen zu testen und zu optimieren. Dabei kann die Biomasse zu unterschiedlichen Zwecken produziert werden: Die Bandbreite reicht von der Option, nicht benötigte Biomasse über die Biogasanlage und das Blockheizkraftwerk (BHKW) wieder energetisch zu nutzen bis zur Durchführung von Testreihen, um in einem zweiten Schritt vermarktungsfähige Algenwertstoffe in größerer Menge zu erzeugen. 


Georg Fischer Piping Systems, Schweizer Anbieter von Rohrleitungssystemen aus Kunststoff und Metall, stellt die PVC-Komponenten für den Photobioreaktor zur Verfügung, der von der niederländischen Firma LGem entwickelt wurde. Die Funktionsweise erläutert Dr. Nabil El Barbari, Head of Technology, Quality and Sustainability der Fa. Georg Fischer Piping Systems: „Die Algen werden in dem Reaktor kontinuierlich bewegt, wodurch das Zusetzen der Rohre verhindert und ein wachstumsfördernder, dauerhaft ungehinderter Lichteintrag ermöglicht wird. Um die Vermehrung der Algen in einen nachhaltigen Kreislauf einzubinden, werden CO2 und Wärme aus dem BHKW genutzt und in den Reaktor eingeleitet. Die Algenkultur bindet den Kohlenstoff für das Entstehen von Biomasse und setzt zugleich kontinuierlich Sauerstoff frei.“

Während in der Forschungsanlage in Wildau das hochschuleigene BHKW genutzt wird, geht es bei dem nun in Mengebostel realisierten Feldversuch um den Anschluss an das BHKW einer realen landwirtschaftlichen Biogasanlage. Entsprechend übernimmt die AEO den Betrieb der Feldversuchs-Anlage, während die Firma Lipinski aus Dorfmark den Anschluss des Reaktors an den BHKW-Abgasstrom, die technische Installation und Wartung vornimmt. 

Die wissenschaftliche Begleitung in Mengebostel wird durch die TH Wildau übernommen. Das Projekt wird durch die Stadt Bad Fallingbostel und den Industrie- und Wirtschaftsverein Deltaland für den Heidekreis und Umgebung ergänzend zur Eigeninvestition der beteiligten Unternehmen finanziell unterstützt. 

„Wir hoffen, dass die Modellanlage in unserer Region den beteiligten Firmen die gewünschten Erkenntnisse liefert und setzen darauf, dass wir gute Karten haben wenn es eines Tages darum gehen sollte, in Norddeutschland eine größere Anlage im industriellen Maßstab zu verwirklichen“, so Michael Krohn, Geschäftsführer des Industrie- und Wirtschaftsvereins.

Eine Besichtigung der Anlage ist nach vorheriger Absprache mit dem Betreiber, der Agrar Energie Obernhausen möglich.

Kontakt:

Industrie- und Wirtschaftsverein Deltaland für den Heidekreis und Umgebung e.V.
- Geschäftsstelle -
August-Wolff-Str. 13
29699 Bomlitz
krohnwirtschaftsverein-heidekreis.de
Tel. 05161-442004

 Freitag, 20. Juni 2014  14:53 [7 yrs]